4 – Jan. ’17 (oder: eine ruhige Kugel schieben)

Wieder eine Woche, in der sich die gärtnerischen Tätigkeiten auf die Wohnung begrenzt haben. Es gab zwar einen kurzen Ausflug in den in Schnee eingekleideten Garten, doch lange währte der Aufenthalt dort nicht. Kalt war es und offensichtlich lag der Garten in einem tiefen, ruhigen Winterschlaf. Nicht mal aus der Tierwelt hat sich jemand blicken oder verlauten lassen. Die einzigen Zeichen von Leben waren die Spuren der Nachbar’s Katzen im Schnee. So habe ich dann nur die Frühbeete von ihrer weißen Decke befreit, damit die in ihnen wachsenden Pflanzen es nicht so düster haben, und bin wieder losgezogen, um den Garten weiter schlafen zu lassen.

Zu Hause im warmen Stübchen hingegen ging es ganz bunt und munter zu. Samentütchen wurden versammelt, ein Gefäß wurde bereitgestellt und schwubbeldiwupp gab es einen kunterbunten Samenmix in der Glaskugel. Aus diesem Mix sollten kleine Samenkullern entstehen. Aus der Kugel in die Kugel, sozusagen.

Geläufiger sind diese Kullern wohl eher unter dem Englischen Begriff ‚Seedbombs‘. Das sind kleine mit Samen gespickte Lehmkugeln, die in den letzten Jahren einen regelrechten Aufwind erlebt haben. Eine Erfindung der Moderne sind sie dabei keinesfalls. Schon in früheren Zeiten hat man Saatgut ummantelt, um es vor ungünstigen äußerlichen Einwirkungen, die vor der Keimung auftreten könnten (z. Bsp. Fraßschäden), zu schützen. So gibt es Quellen, die auf die Ummantlung von Saatgut hinweisen, sowohl aus dem alten China, als auch aus dem alten Rom*. Hierbei verwendete man für die Ummantlung Schafs- bzw. Ziegendung.

Seedbomb

Der Gebrauch von Samenkugeln aus Lehm in der Landwirtschaft ist vor allem mit dem Japaner Masanobu Fukuoka verbunden. Sie sind ein wichtiger Teil seiner natürlichen Landwirtschaft, wobei er sie im großen Stil verwendete, um seine Obstplantage anzulegen. Die Kugeln enthielten dafür über hundert verschiedene Samen von Bäumen und Sträuchern, Obst- und Gemüsepflanzen, Getreide und Blumen. „A miniature natural farm“** wie Fukuoka es nannte. Somit gab er Planungs- und Gestaltungsentscheidugen für die Obstanlage ab und legte das Werden dieser vertrauensvoll in den Schoß der Natur.

Das Herstellen solcher Samenkugeln ist übrigens wirklich eine einfache und freudige Beschäftigung – auch etwas, was man gut mit Kindern zusammen machen kann. Die übliche Rezeptur für die Kugeln besteht dabei aus 5 Teilen Lehm, 3 Teilen Erde und 1 Teil Saatgut. Diese Teile mixt man wie einen Kuchenteig gut durch. Danach gibt man so viel Wasser hinzu, daß man aus der Masse Kugeln formen kann. Die Masse sollte also nicht zu nass und auch nicht zu trocken sein. Wenn man noch kein Gefühl für die benötigte Feuchtigkeit hat, beginnt man erst mit einer kleinen Wasserbeigabe und schaut, ob die geformten Kugeln zusammenhalten (auch nach dem Trocknen). Gegebenenfalls erhöht man dann die Wasserbeigabe. Wichtig ist, daß man die fertig geformten Kugeln gut durchtrocknen lässt, damit die Samen nicht schon anfangen, in der Wohnung zu keimen.

Der Vorteil dieser Kugel ist, daß man das Saatgut direkt auf die Erdoberfläche aufbringen kann und somit das Bodengefüge nicht zerstört. Wären die Samen nicht durch den Lehm geschützt, würden sie bei einer oberflächlichen Aussaat zu 80% nicht zur Keimung gelangen***. Somit eignen sie sich auch hervorragend, um neues Saatgut in bereits existierende Ökosysteme einzubringen, ohne die dort vorhandene Bodenstruktur zu zerstören****. Und genau dafür werde ich auch meine Kügelchen verwenden. Um in bestehende Pflanzengemeinschaften meines Garten neue Bewohner einzuladen und zu schauen, was die Natur dann wo gedeihen lassen wird.

Pflanzengemeinschaft


Lit.:

*https://sites.google.com/site/onseedballs/Home/What#TOC-Origins-of-the-concept

**Korn, Larry: One-Straw Revolutionary. The Philosophy and Work of Masanobu Fukuoka. White River Junction, 2015, S. 57.

***https://www.organicconsumers.org/news/pimp-pavement-brief-history-seedbombing

****http://permaculturenews.org/2014/06/18/making-seedballs-ancient-method-till-agriculture/

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