Mut zum Regelbruch

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Aussaatanleitung. Das klingt in etwa so spannend wie Bedienungsanleitung. Und sie kann einen manchmal ebenso überfordern.

Kühlkeimer, Lichtkeimer, Dunkelkeimer. 10-20°C, <10°C, 12 bis 15 °C. Nicht mit Erde bedecken, 0,5 bis 1 cm tief, nur andrücken, konstant feucht halten, aber nicht zu stark wässern, im späten Frühjahr, in angewärmte Böden. Etc. etc. pp.

Gerade wenn man sich das erste Mal selber in der Aussaat versucht, können die ganzen gut gemeinten Hinweise einen auch einfach nur verunsichern. Plötzlich hat man bedenken, ob man das überhaupt hinbekommt. Hat man wirklich alles ordnungsgemäß eingehalten und wenn nicht, war dann alles für die Katz‘?

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Immer mit der Ruhe, sag‘ ich da nur. Das wird schon. Denn Aussaatanleitungen sind keine in Stein gemeißelte Wahrheit. Nicht wie bei einer Waschmaschine, die nur einen Knopf zum Anschalten hat und wenn man diesen nicht betätigt, geht sie auch nicht an, sind Pflanzen da etwas flexibler. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Samen auch keimen, selbst wenn er nicht genau mit 0,5 cm Erde bedeckt ist oder die Raumtemperaturen nicht dem vorgeschriebenem Ideal von 22°C entsprechen. Man macht es sich leichter, wenn man all die Aussaatanleitungen und auch die ganzen Anbauhinweise vielmehr als Orientierung betrachtet, als sie als ein unumstößliches Muss anzunehmen.

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Schließlich sind die klimatischen Bedingungen ja auch überall verschieden und kein Garten gleicht einem anderen. Vielleicht hat man ja ein besonders geschütztes und sonniges Fleckchen Erde, wo man schon im Februar mit den ersten Aussaaten im Freien beginnen kann. Vielleicht hat man auch eine besonders helle Wohnung, wo selbst aus Aussaaten, die man bereits im Januar vorgenommen hat, schöne kräftige nicht-in-die-Höhe geschossene Tomatenpflanzen wachsen. Und dann ist ja da auch noch die kindliche Freude am Entdecken und Ausprobieren. Warum nicht einfach im Juli noch mal Kartoffeln stecken, wenn man Lust darauf hat? Oder alte Rosenstöcke umpflanzen, wenn man sie lieber an einer anderen Stelle blühen sehen möchte? Es wird ganz sicher Verluste geben bei solch Experimentiererei, das will ich gar nicht schön reden. Aber man wird auch von solchen Misserfolgen viel lernen. Und von den geglückten Versuchen sowieso. Durch das Probieren wird man seinen Garten, die klimatischen Gegebenheiten und die Pflanzen besser kennenlernen. Man wird ein besseres Gefühl für das Gärtnern bekommen und vielleicht irgendwann völlig auf Aussaatanleitungen verzichten. Und wenn etwas schief geht, wartet keine teure Handwerkerrechnung auf einen, sondern man versucht es im nächsten Jahr einfach auf’s Neue. Also nicht verunsichern oder gar abschrecken lassen. Einfach mal ausprobieren. Und mehr Mut zum Regelbruch!

P.S. Als nächstes folgt dann ein Artikel mit Anbauhinweisen zur Puffbohne (Vicia faba). Nur um sich nicht daran zu halten, natürlich. 😉

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