Ach, du dicke Bohne

5 (15)

Das erste Mal, daß ich eine Ackerbohnen-Pflanze (Vicia faba) sah, war auf dem Bildschirm. In irgendeiner der Englischen Gartensendungen, die mir alljährlich den Winter verkürzen, tauchte da so eine stämmige Bohne mit wunderschönen Blüten und prallgefüllten Schoten auf.

In England wird die Ackerbohne (engl. broad bean) gern und oft angebaut. Hierzulande zählt sie jedoch nicht gerade zum Klassiker im Gemüsegarten. Dabei wurden auch in Deutschland früher Ackerbohnen zahlreich angebaut, waren sie doch lange Zeit mit ihrem hohen Eiweiß- und Stärkegehalt und ihrer guten Lagerfähigkeit ein wichtiges Nahrungsmittel, vor allem auch für die ärmere Bevölkerung. Ein bekanntes Anbaugebiet war beispielsweise die Erfurter Gegend. Dank der nährstoffreichen Schwarzerden des Thüringer Beckens wuchsen die Ackerbohnen, auch Puffbohnen genannt, dort besonders gut. Laut dem „Erfurter Gärtnerlied“ (1873) von Wilhelm Schütz gediehen sie deutschlandweit gar außer Konkurrenz:

„Nur in Erfurt ist gut wohnen; aber wisst Ihr auch – warum? Rings um Erfurt blühn Puffbohnen; unser Stolz und Gaudium. Fragt in Pommern, fragt in Schwaben, solche Bohnen sie nicht haben.“

Der Stolz der Erfurter auf ihre Puffbohnen zeigt sich auch darin, daß gebürtige Erfurter sich mit dem Ehrentitel Erfurter Puffbohne rühmen dürfen. So erhält auch jedes Erfurter Neugeborene eine Plüschpuffbohne in zartrosa oder hellblau. Und natürlich ist die Puffbohne auch das Maskottchen der Stadt.

Die Bohne scheint es also in sich zu haben. Die gute Lagerfähigkeit und den hohen Nährwert habe ich schon erwähnt. Sie enthält auch viele Mineralstoffe wie Eisen und Magnesium, wobei sie sogar eine der besten pflanzlichen Kalium-Lieferanten ist.

d (53)

Ein weiterer großer Vorzug der Bohne sind ihre Anbaubedingungen. Als erstes ist da ihre Kältetoleranz. Jungpflanzen vertragen nämlich ein paar Minustemperaturen. Wie tief die Temperaturen sein dürfen, ohne daß die Pflanzen absterben, hängt von der Sorte ab. So gib es kälteverträglichere Sorten, die man schon im Herbst aussäen kann (wie z. Bsp. ‚Aquadulce Claudia‘) und Sorten, die man ab Februar stecken kann. So oder so, das Schöne ist, wie ich finde, daß man etwas in die Erde bringen kann (insofern sie nicht gefroren ist und einem den Zugang verweigert) in einer Zeit, wo es nicht viel zum Aussäen gibt. Das hilft über die Ungeduld, die den Frühling schon im Herbst herbeiwünscht, ein wenig hinweg.

Während die Bohne mit kälteren Temperaturen gut zurechtkommt, mag sie die heißen Grade des Sommers überhaupt nicht. Dann stellt sie ihre Blütenproduktion ein und wirkt stark geschwächt. Meist wird sie dann auch von der Schwarzen Bohnenlaus befallen. Daher bringt man sie so zeitig wie möglich im Jahr aus. Außerdem hilft die Feuchtigkeit, die sich im Februar und März noch ausreichend im Boden befindet, die Samen quellen und keimen zu lassen.

Wenn alles gut verlaufen ist, kann man sich dann ab Mai über die prächtigen Blüten freuen. Bei den meisten Sorten sind diese weiß mit einem markanten dunklen Flecken, es gibt aber auch in Purpur blühende Sorten. Nach erfolgreicher Bestäubung werden dann entweder die frischen grünen Hülsen, in denen die Samen noch schön weich sind, geerntet oder man lässt die Hülsen an der Pflanze vertrocknen, um dann die harten Samen als Trockenbohnen zu verwenden. Verwendungsmöglichkeiten für die Bohnen gibt es dabei zahlreiche. Von püriertem Bohnenmus über frittierte Bohnenbällchen bis hin zur grünen Suppe. Man kann gar nicht so viel Puffbohnen produzieren, um die ganzen Rezepte, die es im Internet zu finden gibt, auszuprobieren.

Sie ist also nicht nur eine nahrhafte, gut aussehende, sondern auch vielseitig verwendbare Pflanze, die ganz neben bei auch noch den Boden im Garten mit Stickstoff anreichert. Irgendwie hätte sie dabei doch schönere Namen als Puff-, Sau-, Acker- oder Dicke Bohne verdient.

Ackerbohnenaussaat

Anbau:

  • Passende Sorten im Herbst aussäen. Ansonsten erfolgt die Aussaat ab Februar, sobald der Boden nicht gefroren ist.
  • der Abstand zwischen den Pflanzen sollte um die 10-15 cm betragen
  • Saattiefe: eine Daumenlänge
  • benötigen eine Stütze nur, wenn die Pflanze sich wirklich nicht mehr selber halten kann
  • ein Entspitzen ab dem 7. Blütenbüschel lässt die Bohnen schneller reifen und beugt dem Lausbefall vor
Advertisements